Der kleine Familienbetrieb

Mutter, Hausfrau, Gartenliebhaberin – und Wochenblatt-Zustellerin

Zustellerin Rita Bleeker

Blumen gießen, Rasen mähen und neue Gartenprojekte umsetzen: In ihrem Garten fühlt sich Rita Bleeker aus Lingen am wohlsten. Immer wenn sie Zeit für sich hat, ist sie dort zu finden. Es ist ihr Ausgleich zum Alltag. Jedoch findet man sie am Samstagmittag nie im Garten, denn da ist die Zeit schon verplant – der EL-Kurier wartet. Den verteilt Rita mit ihrem 15-jährigen Sohn in zwei Bezirken in Lingen. Wem Rita den Nebenjob empfehlen würde und warum sie auch nach mehr als neun Jahren weiterhin dabei ist, erfahrt ihr hier.

Ein neues Handy ist nicht gerade günstig. Das haben auch die drei Söhne von Rita Bleeker im Teenageralter feststellen müssen. Das Taschengeld allein reichte für eine zeitnahe Anschaffung nicht aus. „Vor neun Jahren kam mein ältester Sohn auf mich zu und sagte, dass er sich etwas dazuverdienen wollte. Ein Kumpel von ihm teilte bereits den EL-Kurier aus. Das wollte er auch machen“, erzählt Rita. Gar keine schlechte Idee, dachte sich die Hausfrau. Denn auch sie selbst reizte die Arbeit für einen Zuverdienst. Also meldeten sich Mutter und Sohn beim Medienvertrieb Emsland (MVE), um als EL-Kurier-Zusteller zu arbeiten. Der EL-Kurier ist das kostenfreie Anzeigenblatt im Emsland, das unter dem Dach der NOZ Medien herausgegeben und an fast alle Haushalte in der Region verteilt wird. Seit Ritas Start als Zustellerin ist die Zustellung des Produktes am Samstag ein kleiner Familienbetrieb. Nach dem ältesten Sohn machte schon kurze Zeit später auch sein ein Jahr jüngerer Bruder mit. Mittlerweile sind die beiden mit ihren 23 und 22 Jahren nicht mehr dabei. Sie haben bereits ihre Ausbildungen abgeschlossen und arbeiten in Vollzeit als Dachdecker und Elektriker. 

Früher Transportmittel für die Kinder, heute für den EL-Kurier

Heute hat der Jüngste im Bunde, Lukas, ihren Part übernommen. Jeden Samstag ist der 15-Jährige mit Mutter Rita rund 3,5 Stunden in der Lingener Innenstadt unterwegs. „Wir starten meist gegen 11 Uhr und holen die Wochenblätter ab. Mein Sohn auf seinem Roller mit dem Rucksack, ich mit dem Bollerwagen. In dem saßen früher die Kinder. Heute transportiere ich darin den EL-Kurier”, sagt sie und lacht. Insgesamt müssen die beiden zwischen 400 und 500 Wochenblätter verteilen. Gerade in den Innenstadtbezirken ist es oft nicht so einfach, sich zu orientieren. Manche Eingänge sind in Hinterhöfen versteckt, andere um die Ecke und wieder andere haben die Briefkästen im Hausflur. „Nach den ganzen Jahren kennen wir uns inzwischen natürlich gut aus. Aber wer ortsfremd ist und spontan einspringen muss, der hätte wahrscheinlich seine Probleme”, erklärt Rita. Doch dazu kam es bislang nicht. Krankheitsbedingt ausgefallen ist die 54-Jährige in den ganzen Jahren kein einziges Mal. Neben vielen tollen Gesprächen mit Kunden, erinnert sich Rita auch gerne an das Verteilen an einem Ostersamstag. „Der Kunde hatte mir einen kleinen Weg aus Ostereiern bis zum Briefkasten gelegt – das war eine echt tolle Sache, über die ich mich richtig gefreut hab.”

„Für sein Geld muss man etwas tun“

Nicht nur die Begegnungen mit den Menschen, auch die Arbeitszeit ist für Rita von Beginn an ein großer Pluspunkt gewesen. Denn: Der EL-Kurier erscheint eigentlich zweimal wöchentlich, mittwochs und samstags. Sie und ihr Sohn verteilen aber nur am Samstag. Warum nicht auch am Mittwoch? Der Grund ist ganz einfach: „Ich bin Hausfrau, mein Mann ist häufig arbeitstechnisch unter der Woche im Ausland unterwegs. Ein ,normaler’ Job an einem Wochentag kam deswegen gar nicht infrage. Irgendwer musste sich um die Kinder kümmern.” Am Wochenende ist ihr Mann zu Hause gewesen und sie hatte die Zeit, die vielen Zeitungen zu verteilen – und ist auch dabei geblieben, als die Kinder schon älter waren. Die Möglichkeit, auch nur tageweise als Zusteller*in zu arbeiten, sei aber nicht nur für Hausfrauen etwas. Gerade für ihre Kinder sei der Zusteller-Job eine gute Vorbereitung auf die Zukunft gewesen. „Sie haben dadurch schnell gelernt, dass jeder für sein Geld arbeiten muss. Dass es nicht selbstverständlich ist, Taschengeld in die Hand zu bekommen und es sich einfach einzustecken”, sagt Rita. Beispielsweise hätten die Söhne häufig auf etwas teurere Dinge gespart, die sie sich durch das selbst verdiente Geld schneller kaufen konnten, als wenn sie nur das Taschengeld gespart hätten. 

 

Menschen, die die 54-Jährige fragen, ob die Arbeit nicht sehr anstrengend sei, sagt sie immer: „Ja, schon. Aber ich brauche dafür kein Fitnessstudio, ich habe jeden Samstag meine Bewegung.” Und außerdem könne sie sich ja nach der langen Tour bei gutem Wetter immer in ihrem Garten erholen. Mit dem dazuverdienten Geld kaufe sie sich beispielsweise häufig neue Pflanzen. Ritas Wohlfühloase wird dadurch immer weiter verschönert. 

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